2016 & 2017

OMNIPRÄSENZ 3D FINGER

Bei Omnipräsenz handelt es sich um einen 3D Video Loop, der mit einem 3D Projektor auf eine Wand geworfen wird. Zu sehen ist eine in weiße, glatte und nahtlose Handschuhe gehüllte Hand auf schwarzem Hintergrund, dessen Zeigefinger auf den Betrachter deutet und sich leicht bewegt. Aufgrund der optischen Besonderheiten eines 3D Videos scheinen alle Bildinhalte, welche mittig zum Betrachter ausgerichtet sind, diesen zu verfolgen. Der Finger deutet deshalb immer in Richtung des Betrachters und verfolgt ihn durch den Raum. Wird der Finger von mehreren Betrachtern gleichzeitig angesehen, hat trotzdem jede einzelne Person das Gefühl, der Finger folge nur ihr selbst und nicht den anderen Anwesenden.

Omnipräsenz thematisiert das Gefühl des Beobachtetwerdens in einer Welt, in der bei- nahe alle Lebensbereiche unter potentieller Überwachung stehen. Die allgegenwärtigen Überwachungsmechanismen werden dabei sowohl external als auch internal induziert. Unterschiedlichste Institutionen und Individuen nutzen für ihre je eigenen Intentionen das breite Angebot der Überwachungsmöglichkeiten (= external induziert). In einigen Situationen trägt auch das Individuum selbst zur eigenen Überwachung bei, indem es Informationen von sich preisgibt oder sich zu Optimierungszwecken selbst überwacht (= internal induziert, eigenes kleines Panopticon).

Die Folge der Omnipräsenz von subtiler bis offensichtlicher Überwachung mündet nicht selten in einer oft nicht einmal bewusst wahrgenommenen Überforderung der überall stattfindenden Überwachungsmöglichkeiten und einer daraus folgenden Resignation. Überwachung wird von einem Teil der Menschen einfach ausgeblendet und nicht mehr wahrgenommen, da sie zur Normalität gehört und keine Besonderheit mehr darstellt. Genauso wie die Überwachungsmechanismen im Alltag für viele unsichtbar sind, entzieht sich auch der 3D Finger erst einmal der direkten und unmittelbaren Erkennbarkeit. Erst durch das Aufsetzen der 3D Brille erscheint der 3D Finger vor der Projektionsfläche im Raum und scheint seinen Betrachter zu verfolgen. Der 3D Finger scheint sich auf seinen jeweiligen Betrachter zu konzentrieren und nur ihn unter Beobachtung zu haben. Jeder Betrachter, seien es auch 100 gleichzeitig, erhält seine persönliche Überwachung und Verfolgung durch den 3D Finger.

Die Projektion zielt auf die individuelle Wahrnehmung der Situation durch den Betrachter ab. Jede Person erlebt die Verfolgung durch den weißen und steril wirkenden Finger anders, was einen Spielraum für individuelle Interpretationen und Erfahrungen schafft. Ist der Finger neutral? Schützt oder bedroht er? Auf jeden Fall beobachtet er. Wer ist er? Ich selbst? Die Polizei? Facebook? Google? Der Arbeitgeber? Freunde? Die Überwachungskamera?

Der Kontext, in den die 3D Projektion gestellt wird, beeinflusst die Wahrnehmung beim Betrachter. Zentral bleibt jedoch immer die Omnipräsenz des Beobachtetwerdens.

 

3D-BETRACHTERBOXEN

Funtionsprinzip

In den 3D-Betrachterboxen befinden sich Stereobetrachter. Die darin befindlichen Arbeiten (Auswahl weiter oben zu sehen) bestehen aus einem linken und einem rechten Bild, welche ein und dasselbe Motiv aus zwei leicht abweichenden Betrachtungswinkeln zeigt. Das Gehirn setzt beim Hineinblicken diese beiden leicht unterschiedlichen Bilder automatisch zu einem dreidimensional wirkenden Bild zusammen und vermittelt dem Betrachter einen räumlichen Eindruck von Tiefe. Die 3D-Betrachterboxen simulieren damit das stereoskope Sehen des Menschen.

Der zeigende Finger wirkt plastisch und scheint auf den Betrachter zu zeigen und ihm entgegen zu ragen, während die Architektur hinter dem Finger zurücktritt. Die Basis der Hand und damit des zeigenden Fingers scheint im jeweiligen Gebäude zu liegen.